Dienstag, 21. Mai 2013

Tag 10 - Unwegsames Gelände

Heute hatten wir unsere Pläne, den Rest des Kraterrands der Caldera von Sete Cidades zu umrunden, wegen des nebelverhangenen Grats kurzfristig geändert und waren hinunter zur Brücke zwischen dem Lagua Azul und dem Lagua Verde gefahren.

Die Idee war, den kleineren Lagua Verde zu umrunden - sowohl von rechts als auch von links führten Wege zumindest ein größeres Stück am Ufer entlang, so dass in der Theorie es auch möglich sein sollte, ein evtl. unwegsameres Zwischenstück durch den Wald zu überwinden, ähnlich wie uns das bereits beim Lagua das Furnas gelungen war (siehe Tag 4). Birgit hatte jedoch, nachdem der Weg eine Rechtskurve vom See weg beschrieben hatte, angesichts des nur schwach vorhandenen Trampelpfads am Ufer entlang schnell abgewunken, mich hatte jedoch die Lust auf ein Abenteuer gepackt und so machte ich mich allein auf den Weg in den Wald. Dummerweise wurde der Pfad jedoch bald schon immer schlechter und der Boden immer steiler und irgendwann war ich praktisch auf allen Vieren mitten im Urwald unterwegs bei extrem rutschigem weil abschüssigem Boden. Hier hätte ich spätestens umkehren müssen; da ich jedoch erwartete, schon bald den Weg auf der anderen Seite erreicht zu haben, kletterte ich weiter. Nach nur etwas mehr als 100 Metern, die mich allerdings mehr als eine halbe Stunde gekostet hatten, kam ich jedoch an einen etwa 15 Meter breiten Erdrutsch, an dem die mehr als 45° steile Kraterwand auf über hundert Meter Höhe in den See abgerutscht war und sämtliche Flora mit sich gerissen hatte. Übrig blieb eine praktisch nur aus Schotter bestehende Piste, die nicht passierbar war. Hier war es klar, dass ich nicht weiterkonnte. Also doch wieder zurück.
Da dieses Foto von einer ziemlich unzugänglichen Stelle mitten aus der südlichen Kraterwand entstanden ist, hat es vermutlich einen gewissen Seltenheitswert, die Blickrichtung an sich ist weniger spektakulär, denn ich befand mich da ziemlich genau unterhalb des berühmten Miradouros Vista do Rei (siehe Tag 6)
Ich traf jedoch die folgenschwere Entscheidung, zunächst weiter aufzusteigen um weiter entfernt vom Wasser zu sein. Dass hatte den Vorteil, dass ich bei einem Fehltritt nicht so leicht hineinfallen konnte, jedoch den Nachteil, dass die Wand, je höher ich kam, immer mehr zur Senkrechten wurde. Nach einer Ewigkeit kam ich dann etwa 100 Meter oberhalb des Sees an einer steilen, unlängst gerodeten Klippe heraus, von der aus es auch keinen Weg nach unten zu geben schien. Also versuchte ich, noch weiter aufzusteigen, was jedoch praktisch unmöglich war, da es steiler wurde und mir auch die Kräfte langsam ausgingen. Also doch der Abstieg, den ich dann überwiegend auf dem Hosenboden zurückgelegt habe. Natürlich hatte sich Birgit die ganze Zeit ziemliche Sorgen gemacht, wenn wir auch mehrmals telefonischen Kontakt hatten. Irgendwann war ich dann wieder am Ausgangspunkt und um eine Erfahrung reicher. Bis auf die Hose und ein paar Schrammen an den Armen ist mir jedoch nichts passiert, allerdings habe ich leider zur allgemeinen Erosion der Kraterwände so einiges beigetragen...

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