Mittwoch, 15. Mai 2013

Tag 4 - Rund um den Lagoa das Furnas

Nach einer eher anstrengenden Tour wie gestern ist es immer gut, die Beine am Folgetag etwas zu schonen. Also hatten wir uns heute für eine Art ausgedehnten Spaziergang einmal rund um den zweitgrößten See der Insel, den Lagoa das Furnas entschieden. Der wunderschöne, jedoch unter zu intensiver Düngung durch die umliegende Landwirtschaft leidende See liegt inmitten eines ausgedehnten Vulkankraters 281 m über dem Meeresspiegel.

Interessantes Wurzelwerk zwischen Parkplatz und dem See, den man hier schon durch die Bäume durchschimmern sieht
Als Ausgangspunkt schien uns der Parkplatz bei den heißen Quellen am Nordufer praktisch, denn auf diese waren wir besonders neugierig. Der Rundweg schien anfangs trotz des Hochwassers gangbar, allerdings forderten uns schon bald einige ausgedehnte Schlammpfützen zu Umwegen auf.
Das was hier wie ein Fluss aussieht, war eigentlich der Weg. Um den ganzen See herum standen Bäume und Büsche und leider auch die Picknickbänke im Wasser
Glücklicherweise waren an den ärgsten Stellen Schneisen in den anliegenden Wald geschlagen, so dass wir anfangs keine Probleme hatten, trockenen Fußes zu bleiben.

Der Weg war geradezu idyllisch - wenn er nicht überflutet war.

Zwischen den Zehen gab es einiges zu entdecken
Den ersten Zulauf-Bach konnten wir dank einiger größerer Steine ebenfalls gut bewältigen, aber den zweiten mussten wir mangels Alternativen barfuß durchwaten. Dabei sanken wir bis zu den Waden in den weichen Schlamm ein. Als der Weg dann allmählich trockener wurde, konnten wir die Schuhe wieder anziehen und bald war der nun deutlich höher verlaufende Weg sogar gepflastert, da er als Zufahrt zu einigen hübschen Ferienvillen diente.

Als nächstes gelangten wir zum hochmodernen Besucherzentrum, dort bekamen wir, weil wir die einzigen zahlenden Besucher waren, eine interessante Individualführung, bei der wir viel über das laufende Umweltprojekt erfahren haben. Schon seit Jahren wird in Zusammenarbeit mit der Universität der Azoren daran gearbeitet, das ökologische Gleichgewicht des Sees wiederherzustellen. Hatte man anfangs noch versucht, den See selbst zu behandeln, etwa indem (vergeblich) versucht wurde alle Fische zu entfernen, ist man nun dazu übergegangen, alle umliegenden Flächen innerhalb der zum See führenden Wasserscheide von der Landwirtschaft zu befreien und mühsam mit endemischen Pflanzen wieder aufzuforsten, auch um die weitere Erosion zu verhindern, die dazu führt, dass immer mehr Schlamm in den See gespült wird und er so allmählich zu einem Sumpf wird.

Heute definitiv kein Bootfahrwetter
Auf unserem weiteren Rundgang kamen wir dann zu einer alten Kapelle, die wie eine Miniaturausgabe einer gotischen Kirche aussah - und tatsächlich war sie das auch. José do Canto (unser Gartenfreund aus Tag 2) hatte die Kapelle Nossa Senhora das Vitóras gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Frankreich bauen und mit dem Schiff nach São Miguel transportieren lassen, nur um sich anschließend darin begraben zu lassen. Stil ist halt alles.

Das Südufer des Sees war weitaus unspektakulärer, ging es doch nur noch entlang der normalen Landstraße und vorbei an einigen mehr oder weniger prachtvollen Wochenendhäuschen, die in den steilen Kraterrand mitsamt fast vertikaler Gärtchen hineingebaut waren. Hier waren wir allerdings den recht kräftigen Windböen ausgesetzt, die uns grundsätzlich von vorn erwischten und den Weg etwas beschwerlich kühl machten, vor allem wenn die Sonne mal wieder hinter den rasch vorbeieilenden Wolken verschwunden war.

Zurück bei den dampfenden und ziemlich schwefelig stinkenden Caldeiras am Nordufer blieben wir da noch eine Weile und schauten dem kochenden Wasser und Schlamm beim Blubbern zu.

Die Caldeiras am Nordufer des Lagoa das Furnas. Beliebtes Ausflugsziel der Touristen, die vom Geruch nach faulen Eiern gar nicht genug bekommen können
Das Wasser hat hier durchgehend Siedetemperatur. Schon irgendwie erschreckend, die Vorstellung, dass wir uns hier im Innern eines aktiven Vulkankegels befinden
Typisches Koch-Loch am Seeufer. Unten blubbert der Schlamm beeindruckend vor sich hin.

Das war hier wie Ameisenhügel aussieht, sind die Erdhaufen über den Koch-Löchern, in denen die Eingeborenen ihren berühmten Eintopf namens Cozido das Caldeiras in einer stundenlange Prozedur vor sich hin garen lassen. Die Schildchen dienen dazu, später beim Ausbuddeln nicht versehentlich die Erbsensuppe des Nachbarn zu erwischen.
Wir beschlossen dann aber, in die Hauptstadt Ponta Delgada zu fahren, um dort auf dem Platz vor der Igreja Matriz de São Sebastião einen Kaffee zu trinken und den Tag langsam ausklingen zu lassen.

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