Die spektakulärste Tour, die auf den ganzen Azoren möglich ist, hatten wir uns heute vorgenommen: die Wanderung auf dem Grad des Kraterrands der großen Caldera im Westen der Insel. Gute Sicht vorausgesetzt, sollte es hier möglich sein, auf der einen Seite die beiden großen Caldera-Seen, den Lagoa Azul und den Lagua Verde, und auf der anderen Seite den Atlantik zu sehen. Das Wetter war heute deutlich besser als gestern und schien stabiler, also wagten wir es.
Die komplette Caldera
Sete Cidades zu umrunden ist jedoch nahezu unmöglich - 6-7 Stunden dauert die Wanderung und geht über mehr als 23 Kilometer. Eine deutlich kürzere Wanderung geht rund um das mitten im Krater an den Ufern des Lagoa Azul gelegene gleichnamige Dorf Sete Cidades, allerdings von dort aus hinauf auf den Kraterrand und auch wieder herunter. Das erschien uns etwas zu sportlich, denn die Kraterwände stehen an vielen Stellen nahezu senkrecht und der Grat liegt bis zu 500 m über dem Niveau der Seen. Also haben wir uns für die Nordostumrundung entschieden, die ohnehin den großartigsten Teil der Gratwanderung umfasst und zudem den Vorteil hat, dass es in der Summe bergab geht. Zuerst besuchten wir jedoch den berühmtesten aller Miradouros auf São Miguel, den
Vista do Rei. Von hier aus sieht man beide Seen und der Ausblick ist in jedem Reiseführer abgebildet. Er wird zudem täglich von Dutzenden von Reisebussen angefahren, die die Rentner durch die Gegend fahren, deshalb standen da sogar zwei fliegende Händler, die ihren Kitsch verkauften. Wir haben natürlich auch ein Foto gemacht, sind dann aber gleich wieder weg:
 |
| Wenig originell, aber tatsächlich ein umwerfender Ausblick. Vorn der kleinere Lagoa Verde, hinten der Lagoa Azul, durch eine Brücke voneinander getrennt und links die Ortschaft Sete Cidades. Der Teil des Kraterrand, den wir entlangwandern wollten, ist in fast voller Länge im Hintergrund zu sehen. Unsere heutige Tour ging von rechts nach links auf dem Grat und dann ins Dorf hinunter. |
Für unsere Tour mussten wir die steile Straße nach Sete Cidades hinabfahren und vor der Kirche das Auto abstellen. Danach galt es ein Taxi zu finden, das uns wieder hinaufbringt zu dem Ausgangspunkt eines offiziellen Wanderwegs, der wieder in Sete Cidades enden sollte. Problem: an der Kirche gab es zwar wiederum jede Menge Rentnerbusse aber kein Taxi. Also in der Bar gegenüber dem verwaisten Taxiplatz die Kellnerin gefragt. Sie hat dann gleich einen Taxifahrer angerufen, der dann auch in weniger als 10 Minuten eintraf. Noch bevor ich ihm erklären konnte, wohin wir wollten, hatte er schon auf seiner Karte mit dem Finger ins Schwarze getroffen - ein abgekartertes Spiel also - diese Tour stand wahrscheinlich in jedem Reiseführer. Für 10 Euro brachte er uns die Serpentinen hoch zur Wandertafel, die weit jenseits des Kraters im Niemandsland den Einstieg in den Wanderweg markierte.
 |
| Das Café Restaurante S. Nicolau - offenbar einzige Lokalität in diesem überaus verschlafenen Dorf |
 |
| Die Kirche von Sete Cidades |
 |
| Noch bevor wir den Grat errreichten, kamen wir an diesem herrlich vermoosten Aquädukt vorbei |
 |
| Blick vom Pico da Cruz (845 m) nach Osten. Dieser Berg ist die höchste Stelle des Kraterrands und bedeutete für uns einen steilen Aufstieg über gut 100 m gleich zu Anfang, zum Glück über einen gepflasterten Weg. Die Aussicht entschädigte uns jedoch. Gut zu sehen ist die Nordküste, die Südküste war nur zu erahnen. |
 |
| Ich habe wohl mindestens 50 Fotos nur von den Seen gemacht, so großartig fand ich diesen Anblick. Auch hier sieht man jenseits des Kraterrands das Blau des Atlantiks. |
 |
| Hier habe ich sechs Einzelfotos zu einem Panorama zusammengefügt. Rechts der gut sechs Meter breite Weg, der mehr oder weniger auf dem Grat entlang geht. Manche Gipfel werden jedoch umrundet, so dass die Seen nicht immer zu sehen sind. |
 |
| Obwohl meist die Sonne schien, war es durch den starken Wind hier recht kühl - eine warme Jacke daher unumgänglich |
 |
| Mitten in prachtvoller Landschaft lassen die Portugiesen gern mal was rumliegen |
 |
| Die letzten paar hundert Meter hinunter nach Sete Cidades waren extrem beschwerlich - es ging steil bergab auf einer ausgewaschenen und rutschigen Schotterpiste. Hier hatte das Regenwasser einen großen Teil des Wegs unterspült. |
 |
| Sete Cidades ist ein recht weitläufiger Ort, ohne die für die Küstendörfer üblichen engen Gassen. Aber auch hier gab es jede Menge schöner Grundstücke mit längst verfallenen Häusern mitten in den Wohnstraßen zu sehen. Das hat natürlich einen eigenen Reiz. |
Zum Schluss der Tour gab es noch einen guten Cappucino im einzigen Restaurant am Platze und dann ging es zurück ins Hotel, die Füße für morgen schonen...
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.